Müller Benolpe
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Läufergeschichten
der Chef hat es getan, heimlich, still und leise hat er sich seid Januar für einen Marathonlauf vorbereitet. Fast bis zum Schluss konnte er sein Vorhaben geheim halten, hatte doch die Chefin mehrmals deutlich klar gemacht, Marathon laufen ist für den Chef nichts, danach ist er immer erst mal länger kaputt. Halbmarathon geht aber alles was länger ist, ist verboten. Der Chef wäre aber nicht der Chef wenn er nicht seinen eigenen Kopp hätte und so lief die Vorbereitung schön heimlich ab, nirgends ein Wort über das Thema Marathon. Bis eine Woche vor dem Start. Sonntagsmorgens beim Frühstück, wie aus heiterem Himmel, vollkommen ohne irgend einen Zusammenhang, zumindest für die männliche Logik, die Frage von der Chefin (ich muss das in hochgestellter Schrift schreiben um annähernd ihrer Tonlage gerecht zu werden) “Was für eine Strecke läufts du denn am Sonntag eigentlich?????” Eine direkte Frage, hier ausweichen zu wollen zwecklos, nicht die Wahrheit zu sagen würde bedeuten, der Marathon am kommenden Sonntag wäre die leichteste Prüfung an diesem Tag. Zwei Halbemarathons laufen ginge, schien aber bei der Tonlage auch nicht die optimale Lösung. Nach einem Frühstücksei zu fragen bringt einen Aufschub von max. 7 min, eher weniger. Also blieb dem Chef nichts anderes übrig als volle Pulle nach vorne. So tun als wenn nichts wäre, den komplett überraschten geben: „einen Marathon“. Die unausgesprochenen Frage; „Wieso fragst du, ist doch klar“ schwingt in der Tonlage unüberhörbar mit. Das sollte wirken, ein knappes „Ja“ und fertigt, gescheitert der Versuch. Die Chefin wäre nicht die Chefin wenn Sie es nicht gewusst hätte, das der Chef seinen eigenen Kopp hat.
Er hat es getan,